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Subpage zur persönlichen homepage von Christian Heinze, Stand 2014 01 26, Abschn. 5.3 ergänzt am 24.11.2016.

Streben nach Glück
Pursuit of Happiness

Sandra Heinze gewidmet


1 Unter Glück wird erstens ein Vorteil verstanden, der von der Willensbetätigung seines Empfängers oder Nutznießers unabhängig ist. Dem entspricht zum Beispiel die Bedeutung des Ausdrucks "Glücksspiel". Solches "Glück" kann man nicht anstreben, aber solches Glück "hat auf die Dauer doch zumeist wohl nur der Tüchtige" (Helmuth Graf von Moltke (der Ältere, 1800-1891) »Abhandlung über Strategie« in: Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, H.13, 1890.

Ferner wird unter Glück das (nicht notwendig zutreffende) Bewußstein oder Gefühl der Erfüllung höchstrangiger Wünsche verstanden. Dazu heißt es in der von Thomas Jefferson formulierten Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Nordamerika vom 4. Juli 1776: "Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich, daß alle Menschen ... von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen ... das Streben nach Glück" gehört.

Aber was bedeutet Glück als Gegenstand dessen was Menschen frei anstreben dürfen ?
Luck is usually conceived as an advantage enjoyed independently of a wilful effort by him who receives or enjoys the advantage. This is, for example, the meaning of the expression "fortune" in describing a result of gambling. Luck cannot be "pursued", but "In the long run, luck most likely happens to the proficient only" (Helmuth Duke of Moltke (the elder, 1800-1890) »Abhandlung über Strategie (Treatise on Strategy) « in: Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, H.13, 1890.

As distinguished from luck, happiness is the (not necessary correct) awareness or feeling of fulfillment of highest ranking desires. Concerning happiness, the Declaration of Independence, drafted by Thomas Jefferson, of the United States of North America of 4th July, l776 anounces: "We hold these truths to be self-evident, that all men are ... endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are ... the pursuit of Happiness."

But which is the meaning of happiness in the sense of what all men are allowed to pursue ?
2 Gegenstand solcher Wünsche (Glücksgüter) sind Zustände von Dingen oder Menschen oder Erlebnisse oder die Verfügung über die Mittel zu ihrer Herbeiführung oder Erhaltung. Objects relevant for happiness) are conditions of things or of men or experiences or the command of the means for their creation or maintenance.
2.1 Glücksgüter sind

- körperliches, gedankliches oder seelisches Wohlbefinden (Zufriedenheit, Freude, Vergnügen, Lust) vermittelt durch Sinne und Organe, insbesondere

--- durch sinnliche, vernunftmäßige oder geistige Wahrnehmung

--- durch Kommunikation

--- durch Fortbewegung

- sowie die Deckung des Bedarfs an Gütern oder Leistungen,

des Glücksuchenden oder Anderer, sowie die Freiheit von Beeinträchtigungen dieser Güter.
Objects relevant for happiness are

- physical, intellectual or spiritual well-being (satisfaction, joy, pleasure, lust), imparted by senses and organs, in particular

--- by sensible, intellectual or spiritual comprehension

--- by communication

--- by movement

- or the coverage of demands for goods or services,

of the pursuer of happiness or of others, as well as the absence of detraction from these objects of happiness.
2.2 Jenseits Leben, Gesundheit, Freiheit und der Deckung des lebensnotwendigen Bedarfs an Gütern, an Leistungen, an Kommunikation und an Bewegung, ohne die Glück unmöglich oder äußerst selten ist, sind die Güter, auf die sich die Wünsche der Menschen richten, und damit sind die Glückszustände unendlich verschieden. Jedenfalls neigen die Wünsche zur Maximierung von Glück nach Qualität, Quantität und Dauer.

Man könnte versucht sein, Böses vom Begriff der Glücksgüter auszunehmen. Das hieße jedoch, die Wirklichkeit hinwegzudefinieren, daß Böses Gegenstand höchstrangiger menschlicher Wünsche sein kann.
Beyond life, health, freedom and the supply of basic vital needs of goods, of services, of communication and of movement, without which happiness is impossible or extremely rare, the objects relevant for happiness, at which human wishes are directed, and, therefore, the conditions of happiness, are of infinite variety. In any case, wishes tend to maximize quality, quantity and duration of happiness.

One could be tempted to except evil from the notion of the goods of happiness. This would, however, amount to eliminating, by means of definition, the reality of instances in which evil forms an objective of highest-ranking human wishes.
2.3 So unterschiedlich wie ihr Gegenstand ist der Rang, den Glücksuchende einzelnen Glücksgütern zuweisen.

Manche ziehen körperliche, andere geistige Güter vor. Manche sind bei Deckung der Grundbedürfnisse mit alltäglichem Erleben und etwa mit Naturgenuss glücklich und können sogar glücklich sein, wenn die Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind, andere benötigen Vermögen eines Umfangs, der zu allen verfügbaren Gütern dieser Welt in einem Verhältnis steht, das den Anteil eines Einzelnen an der Weltbevölkerung weit übersteigt. Für manche besteht Glück im eigenen Zugang zu den Glücksgütern, andere sind glücklich, wenn es Andere sind.

Das Rangverhältnis der Wünsche wird durch ihre Intensität (Hoffnung, Bedürfnis, Verlangen, Gier, Sucht) mitbestimmt. Insofern sowie bei Teilerfüllung eines oder mehrerer Glücks-Wünsche kann von „vollkommenem“ oder „unvollkommenem“ Glück die Rede sein.
As different as their objectives is the rank attributed to particular objects of fortune by the individual pursuers of happiness.

Some prefer physical, others spiritual goods. Some are, if basic needs are satisfied, happily content with experiencing everyday life and, for example, enjoying nature, and can be happy even without such satisfaction, others need property of a share of all goods and services available on earth far larger than the share of the individual in the whole world-population. For some, happiness consists in their own access to goods of fortune, others are happy with the fortune of others.

The ranking of wishes is also determined by their intensity (hope, need, desire, greed, obsession). In this respect, as in respect of partial fulfilment of one or several wishes, it can be meaningful to speak of “complete” or “incomplete” happiness.
2.4 Das Glücksempfinden hängt von intellektuellen oder emotionalen Eigenschaften wie Sensibilität, moralischen Überzeugungen oder Willenskraft und entsprechenden Verhaltensweisen des Glücksuchenden ab. Diese Eigenschaften können "ererbt" oder bewußt oder unbewußt erworben, zum Beispiel anerzogen oder eingeübt sein.

Glücksempfinden hängt auch von der Wahrnehmung oder Beurteilung der Ursachen, des Werts, der Dauerhaftigkeit oder der Folgen der Glücksgüter ab, die auf Grund von Unwissen, mangelnder Urteilskraft oder von Einflüssen des Befindens, der Umwelt oder der menschlichen Umgebung des Glücksuchenden von der Wirklichkeit abweichen oder, wie bei Täuschung und Rausch, ihr widersprechen können.
Experience of happiness depends on intellectual or emotional properties such as sensitivity, moral conviction or willpower and on respective behavior of the happiness-seeker. These properties may be "inherited" or consciously or incousciously acquired, for example through education or training.

Happiness also depends on the perception or evaluation of factors, of the value, of duration or of consequences of the objects relevant for happiness which, bacause of lacking knowledge or judgment or of the influence of the condition, of the environment or the human surroundings of the happiness- seeker, may deviate from reality or contrast with it, as in the case of deception and intoxication.
2.5 Glückserleben kann vermittelt werden

- durch bloße Ausübung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten, zum Beispiel durch eigene Leistung an sich, durch reale oder geistige Bewältigung einer Aufgabe, eines Verlusts oder Unglücks, durch Naturgenuß, durch Hören von Musik oder Anschauung von Bildern, durch Reisen, durch Erleben und Erkenntnisse aller Art, etwa durch Glauben und sogar durch Träume, aber auch durch Ver- oder Gebrauch oder bloßen Besitz von Gütern

- insbesondere aber durch ein Verhalten mit Bezug auf Andere oder eine Gemeinschaft, etwa durch Kommunikation, durch Arbeits- oder Hilfleistung, durch Liebe oder Freundschaft einschließlich der Entgegennahme entsprechenden Verhaltens Anderer, aber auch durch Wettbewerb und Kampf.
The experience of happiness may be conveyed

- through the mere exercise of physical or intellectual abilities as, for example, through one's own achievement as such, through physical or intellectual fulfilment of a task, through overcoming misfortune or loss, by enjoying nature, music or pictures, by travelling, through experiences or cognition of all kinds such as belief or even dreams, but also through consuming or making use of or merely owning goods

- and particularly through a behaviours with reference to others or to a community, for instance through communication, through working for or helping others, through love or friendship including the acceptance of a respective behaviour of others, but also through competition or fight.
2.6 Glück unterliegt nach alledem der Willensbetätigung des Glücksuchenden. "Jeder ist seine Glückes Schmied", nicht nur auf Grund seiner Fähigkeit, Glücksgüter zu schaffen oder zu erwerben, sondern vor allem auf Grund seiner Bewertung dieser Güter. Das Sprichwort wird dem französischen Schriftsteller Nicolas Boileau (1636-1711) zugeschrieben, er soll sie in seiner 5. Sartire an den Marquis de Dangeau (1665) zur Würdigung des Versuchs eines verarmten Adligen verwendet haben, der seine Verhältnisse durch Verkauf seiner Ahnenbilder aufbessern wollte. Es scheint jedoch von Appius Claudius Caecus) zu stammen.

Glücksgüter können auf ehrliche und weniger ehrliche Weise erworben werden. Das Sprichwort hat daher auch einen weniger ehrlichen Beigeschmack erhalten, indem es für weniger ehrliche Beschaffungsvorgänge wie dss Falschspiel (ein Thema des Dramas "Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing - 1729-1781) verwendet wird.
For all these reasons happiness is subject to the employment of the willpower of the happiness-seeker. "Every man is the artisan of his own fortune", not only due to his ambition to create objects relevant for happiness but even more so because of his evaluation of such objects. The proverb is attributed to the French writer Nicolas Boileau (1636-1711); he is said to have used it in his 5th satyre to the Marquis de Dangeau (1665) in acknowledging the attempt of an empoveridged nobleman to improve his condition by selling paintings of his ancestors. It appears, however, to originate from Appius Claudius Caecus).

Objects of fortune can be acquired through honest or dishonest means. The proverb has, therefore, also acquired a less honest by-taste by being used for less honest procedures of acquisition like cardsharpening (a subject matter of the drama "Minna von Barnhelm" by play Gotthold Ephraim Lessing - 1729-1781)
3 Weil Glück nach alledem in individuellen Wahrnehmungen und Bewertungen besteht, sind sein Gegenstand oder Inhalt einer Beschreibung durch absolute gültige Merkmale nicht zugänglich.

Läßt sich Glück auch nicht definieren, so sind ihm jedoch Grenzen gesetzt und seiner Verwirklichung stehen Hindernisse entgegen.
Since happiness consists in individual perception and evaluation, objects and substance of happiness cannot be described in absolute terms of general application.

While it is impossible to define it, happiness is subject to limitations and to obstacles for its realiziation.
3.1 Auf objektive Grenzen stößt das Glück, soweit es nicht ohne Inanspruchnahme von Gütern verwirklicht werden kann, die nur in der Natur des Menschen oder seiner Umwelt vorhanden sind oder dort hergestellt werden könnnen. Denn nicht alle wünschbaren Glücksgüter sind jederzeit und überall überhaupt oder in der gewünschten Art und Menge oder für jedermann vorhanden oder zugänglich. Glücksuchende müssen ihre Wünsche auf das Vorhandene beschränken.

Mehr noch: Um auch nur die Möglichkeit der Erfüllung von Wünschen zu schaffen oder zu erhalten, müssen Glücksucher die Umwelt und insbesondere ihre Produktivität erhalten. Daher muß auch auf Verbrauch nicht vermehrbarer, zumindest aber der zu ihrer Substitution geeigneten Güter verzichtet werden. Zwar hindert die Natur den Glücksucher nicht, die Welt zu beschädigen oder - sei es durch Verfehlung der erforderlichen Pflege - zu zerstören; beides unterliegt seiner Willensmacht. Aber die Beschädigung und die Zerstörung beenden das menschliche Leben und damit jedes menschliche Glück.
The possibility of happiness is limited insofar as it cannot be realized without employing goods which exist or can be produced in the nature of man or his environment only. This is because not all desireable objects of fortune exist or are accessible always and everywhere at all or in the desired species or amount or for everybody. Pursuers of happiness must therefore adjust their desires to availability.

Moreover: in order to create or to preserve the mere possibility of fulfilment of wishes, pursuers of happiness must maintain the environment and, in particular, its productive capacity. This requires, inter alia, refraining from consuming goods that cannot be reproduced or, at the least, their substitutes. It is true that nature does not prevent the happiness-seeker from damaging or destroying the world, for instance by negligence of maintenance; both being included in human willpower. But doing so puts an end to human life and, thereby, to all human happiness.
3.2 Für den Zugang zu materiellen ebenso wie geistigen Glücksgütern ist der Glücksuchende oft und in modernen arbeitsteilenden Gesellschaften auf Leistungen wie Aufsuchung, Herstellung, Bearbeitung, Transport, Verwahrung von Gütern oder auf Dienhstleistungen angewiesen, die andere Menschen und insbesondere menschliche Gemeinschaften erbringen. Diese Güter oder Leistungen können oft ihrerseits nur mit Hilfe natürlicher oder produzierter, wiederum von Anderen verfügbar gemachten Gütern und Leistungen, insbesondere von Produktionsmitteln erstellt oder ebracht werden. Daher sind dem Glück des Einzelnen Grenzen und Hindernisse auch durch Knappheit eigener oder fremder Ressourcen wie Leistungsfähigkeit, Arbeitskraft oder Besitz von Produktionsmitteln oder durch mangelnde Kooperation gesetzt. Access to material as well as spiritual objects of happiness often and even, in modern labour dividing societies, as a rule, require contributions like collecting, producing, processing, transporting, storing of goods or they require contributions to be rendered by other men or by a community of men. Often such contributions, in turn, can be rendered only with the help of natural or produced goods or services, and, in particular, of means of production, made avaiable by again others. Therefore, happiness of the individual is also subject to limits and obstacles due to scarcity of own or third party resources like productivity, working capacity or possession of means of production or due to a lack of cooperation.
3.3 Leistungen anderer für Glücksuchende, aber manchmal sogar deren eigene Leistungen bedürfen in der Regel einer Motivation oder des Zwanges. Die Motive können instinktiver, rationaler, emotionaler, kultureller oder religiöser Natur sein.

Am häufigsten werden Leistungen auf Grund des Interesses des Leistenden am eigenen Genuß von Gütern oder Leistungen oder an ihrem Eintausch gegen Güter oder Leistungen Anderer, oder auf Grund von Zwang erbracht. Produktion und Tausch sind die Grundform der Wirtschaft als Medium allgemeiner Versorgung.

Zwang besteht in der Wegnahme von Gütern oder in der Herbeiführung von Leistungen mit Gewalt oder durch ihre Androhung, mit oder ohne Weitergabe der Güter oder Leistungen an andere. Auf Gewalt oder ihrer Androhung beruht nicht nur die Beschaffung von Glücksgütern durch den Staat oder den Räuber. Es gibt auch viele, zum Teil sublime Formen der zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen, aber auch religiösen Gewalt. Sie besteht etwa in der Androhung von Nachteilen der Kommunikation oder Wertschätzung oder in der Verbreitung von Überzeugungen mit Bezug auf die Bewertung von Leistungen im individuellen oder Gemeinschaftsinteresse (künftiges, sogar postmortales Wohlergehen). Der Gewalt steht Täuschung und womöglich unwiderstehliche Motivation gleich.
As a rule, services rendered by others for the happiness-seeker, but even services rendered by the happiness-seeker himself require motivation or compulsion. Motives may be of an instinctive, rational, emotional, cultural or religious nature.

Most often, such contributions are rendered because of the interest of the contributer in his own consumption of the goods or services or in their exchange against goods or services of others, or the contributions are brought about by compulsion. The exchange of goods and services constitutes the economy as the medium for general supply.

Compulsion is effected by taking away the goods or by inducing services by means of force or by threatening the application of force, with or without redistribution of the goods or services to others. The application or threat of force characterizes no only the procurement of goods of fortune through the State or by the robber. There are many additional, often sublime forms of individual or social as well as religious compulsion. They consist in the threat of disadvantages in the context of communiation or esteem or in establishing general convictions concerning the evaluatiohn of services in an individual or social interest (well being in the future and even in the postmortal realm). Compulsion is equalled by deception or, possibly, by irresistable motivation.
4 Die vorstehenden Betrachtungen lassen fragen, inwieweit die Behauptung aufrecht erhalten werden kann, die zum ewigen Ruhm der Formulierung von Thomas Jefferson von 1776 beiträgt, daß alle Menschen ein Recht haben, nach Glück zu streben. The previous observations raise the question, to what extent the proposition formulated by Thomas Jefferson in 1776 can be upheld, that all men have the right of the puruit of happiness.
4.1 Abgesehen davon, daß eine realistische Behauptung eines Menschenrechts eine Macht voraussetzt, die es jedenfalls in einem bestimmten Bereich zuverlässig durchsetzt, betrifft die in der Unaghängigkeitserklärung enthaltene Formel im Grunde keine (Rechts)Tatsache sondern die Forderung nach Geltung eines allgemeingültigen Gesetzes. Die Geltung eines Gesetzes des genannten Inhalts begegnet aber der Schwierigkeit, daß sich ein allgemeingültiger oder auch nur generell positiv zu bewertender Inhalt des Glücksbegriffs nach vorstehendem nicht finden läßt, während unendliche viele Alternativen individuellen Glücksstrebens bestehen sind, die nicht nur mit dem Glücksstreben Anderer sondern auch mit den Interesse dieser Anderen an Leben, Gesundheit, Freiheit und Teilhabe an den Glücksgütern offensichtlich unvereinbar sind. While a realistic proposition of a human right requires a power which enforces it effectively, at least within a certain region, the proposition contained in he Declaration of Independence does not, in its basic meaning, refer to a (legal) fact or existing rule but demands the enactment of an effective general law. The enactment of such a law meets, howeverm, with the difficulty that the notion of happiness does not transport a precise or even throughout positive meaning, but allows instead for innumerable alternatives of individual fortune-seeking which are obviously incompatible with not only the pursuit of happiness by others but also with their interests in their own life and liberty and participation in the goods of fortune.
4.2 Das in dieser Kollision begründete Problem wird durch die Forderung nach Freiheit der Glücksuche nicht gelöst sondern erst geschaffen. Um Glück für alle möglich zu machen, bedarf es einer Beschränkung des Glücksstrebens. Allerdings dürfte die amerikanischen Unabhängigkeitserklärung dahingehend zu verstehen sein, daß sie einen Vorrang der Freiheit stipuliert und damit die materielle Grundlage der rechtsstaatlichen Verfassung zur Geltung bringt: staatliche Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen sind nur zulässig, soweit sie von einem übergeordneten Interesse des Allgemeinwohls gefordert werden (Subsidiaritätsprinzip). The problem deriving from this collision of interests is not solved but rather created by claiming free pursuit of happiness. In order to enable happiness for everyone, the pursuit mus be restricted. Nevertheless, the claim of the Declaration of Independence is bound to be understood as stipulating a prerogative for freedom, thus implying the validity of the basic material principle constituting a government of law and order: that governmental restrictions of individual freedom are permissible only to the extent required by a superior interest of public welfare (principle of susidiarity).
5 Die Menschen haben seit jeher Grenzen und innerhalb dieser Grenzen Normen für eine Hegung und Ausrichtung des Glücksstrebens gesucht und formuliert. Men have always pondered and formulated limitations and, within the bounds of these limitations, norms for a determination and containment of the pursuit of happiness.
5.1 Zuerst waren es Ge- und Verbote des arterhaltenden und moralischen Instinkts, sodann Gesetze der Religionen und der aus Erfahrungen und Schlußfolgerungen erwachsenen Ethik, die mit Hilfe der Ausbildung des menschlichen Gewissens dem Glücksbegriff und dem Streben nach Glück Inhalt gaben und Grenzen setzten. Die Familie, die Sippe, die Religionsgemeinschaft, das Volk setzten ihre Einhaltung durch. Commandments and prohibitions derived in the beginning from moral and species-preserving instincts and later on from religions and ethics emanating from experience and conclusions. Together with the development of the human conscience they added substance and limits to the notion and pursuit of happiness. Family, clan, the regligious and ethnic community provided for their enforcement.
5.2 Seit Beginn der menschlichen Geschichte entwickelten sich zur Hegung des Glücksstrebens religiöse Organisationen in mehr oder weniger enger Verbindung mit oder neben der Vernunfteinrichtung des Staates. Beide begegneten den Konflikten des Glücksstrebens mit Gesetzen und Einrichtungen zu ihrer zwangsweisen Durchsetzung, wobei der säkulare Staat die Zwangsgewalt monopolisiert. Die Einrichtung des Staates legt ein Fundament für die notwendige Begrenzung des Strebens nach Glück. Die Lösung selbst hängt von seiner Organisation und der Qualität seiner Gesetze ab. Diese Organisation und diese Qualität sind Gegenstand besonderer Wissenschaften. Since the beginning of history Religious Organizations in more or less close connection with the rational institution of the State developed the containment of the pursuit of happiness. Both meet the conflicts of the pursuit of happiness with laws and establishments for their enforcement, whereas the modern State monopolizes the administration of force. The institution of the State provides a fundament for the necessary limitation of the pursuit of happiness. The solution itself depends on the organization and the quality of the laws of the State. This organization and this quality are the subject matter of specific sciences.
5.3 Jeder Staat läßt mehr oder weniger weiten Raum für Normen über Inhalt und Grenzen des Glücksbegriffs und des Glücksstrebens, die nichtstaatliche Gemeinschaften aller Art und sogar Einzelne vor oder neben seine Gesetze stellen. Sowohl die staatlichen als auch die nichtstaatlichen Normen entwickeln sich als Kompromiß zwischen den individuellen Interessen der Glücksuchenden und dem Wohl Anderer, namentlich der Familie, der Sippe, des Volks, des Staates, anderer Gruppierungen und der Menschheit als ganzen sowie zwischen den Interessen dieser Gemeinschaften. Die Normen unterschiedlicher Genese können sich decken, ergänzen, einander widersprechen und aus der Sicht der Glücksuchenden im Rang vorgehen.

Reiner Schmidt weist in seinem Aufsatz Verfolgung des Glücks" (SZ 16.11.1980) auf den Gegensatz zwischen der Forderung Wilhelm von Humboldts hin, der Staat möge sich "aller Sorgfalt für den positiven Wohlstand der Bürger" enthalten und nicht weitergehen als Sicherheit erfordert, und der gegenwärtigen Realität des umfassenden Wohlfahrtsstaates. Allerdings habe sich das Freiheitsverständnis in die Forderung an den Staat verwandelt, die Grundlagen für Glücksstreben nach Maßgabe einer grenzenlosen Pluralität von "Werten" zu schaffen, bei gleichzeitiger "gesamtgesellschaftlicher Leistungsverweigerung". Schmidt folgert mit Recht, dass dieser Dualismus auf Dauer nicht durchzuhalten ist.
Every State leaves more or less room for norms concerning the substance and limits of the notion of happiness and for its pursuit to be to placed next to its laws by communities of all kinds and even by individuals. State laws and non-state norms alike develop as a compromise between the individual interests of the pursuers of happiness and the interests of others, namely the family, the clan, the people, the State, other groupings and humanity as a whole as well as between the interests of these communities. Norms of different origin may match, supplement or contradict or outrank each other frompoint of view of the pursuers of happiness.

Reiner Schmidt points in his essay on "Verfolgung des Glücks" (The Pursuit of Happiness, SZ 16.11.1980) to the contradiction between the claim voiced by Wilhelm von Humboldt, that the State should refrain from any effort for positive welfare of the citizens and should not go further than security demands, and the present reality of the Welfare State. He remarks that the general understanding of freedom has changed to the demand against the State to provide the basis for the puruit of happiness according to a unlimited plurality of "values", this demand being accompanied at the same time by a denial of contribution to society. Schmidt rightly concludes that this dualism cannot prevail permanently.
5.4 Oft sind geistige, emotionale oder religiöse Glücksgüter wertvoller als materielle Reichtümer. Erfahrung lehrt, daß Menschen vollkommenes Glück nicht bei Maximierung ihrer Teilhabe an materiellen Gütern oder Leistungen, bei Maximierung ihrer Macht oder überhaupt bei Verfolgung eigener Interessen geschweige denn bei Beeinträchtigung oder Schädigung der Interessen Anderer sondern dann empfinden, wenn sie Glück und Wohl anderer fördern oder in ihr Streben nach eigenem Glück einbeziehen, zumindest aber unberührt lassen.

Mit welchen Inhalten auch immer der Glücksbegriff verbunden werden kann, ist daran zu erinnern, daß Glück nicht abstrakt sondern nur subjektiv definierbar ist. Wohl aber stehen in Glaubens- und Lehrschriften und in den Werken der Dichter und Denker breite und tiefe Gedankengebäude mit Bezug auf Inhalte und Grenzen des Glücksbegriffs und des Glücksstrebens zur Verfügung.

Der international hochgeschätzte Ökonom und Finanzwissenschaftler Xenophon Zolotas (1904-2004) hat seinem Werk "Economic Growth and Declining Social Welfare" von 1981 als Motto den Spruch von Epikur an Idomeneus (Stobaeus, Floril, XVII 24) vorangestellt: "Willst Du Pythocles reich machzen, gib ihm nicht mehr Geld sondern mäßige seine Wünsche". Der Spruch enthält einen guten Teil der Weisheit über Glück.
Often mental, emotional or religious goods prove more valuable than material wealth. Experience reveals that men feel completely happy not in maximising their participation in material goods or services or by maximising their power or in pursuing their own interests in the first place, not to speak of detriment or damage effected on the interest of others, but when they enhance happiness and welfare of others or include it in the pursuit of their own happiness, or when they at least leave it untouched.

Whatever values can be added to the notion of happiness it should be recalled that happiness cannot be defined in an abstract way but only subjectively. On the other hand, systems of copmprehensive and profound thoughts are available in religious and philosophical scriptures and in the works of poets and thinkers concerning substance and limits of the notion and the pursuit of happiness.


Notiz: Gegenwärtig verbreiteter Sprachgebrauch legt die Notwendigkeit nahe zu erklären, daß die im vorstehenden Text gebrauchte männliche Form flexierbarer Ausdrücke der herkömmlichen Bedeutung entsprechend auch ohne besondere Hervorhebung das weibliche Geschlecht "gleichberechtigt" einschließt. Note: Present widespread usage suggests the necessity to explain that, in the present text, words subject to inflection, or the expressions "man" or "men", according to their traditional meaning, include "equally" the female gender.



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